2010-01-29

29. Fahrt durch die Stadt


Die lange Fahrt von Victoria Island nach Festac bedeutet eine Fahrt, die alle nur erdenklichen Gegensätze menschlichen Lebens widerspiegelt.
Wir durchquerten Festac, einen "Orts"teil von Lagos, wo Arme und Reiche vis à vis leben. Auf unserer rechten Straßenseite hohe Zäune, Burgen, Festungen, Stacheldraht, zur Linken pure Armut - für "europäische" Augen. "Here lives lower middleclass", erklärt unser Guide. Wir duchqueren das Gate zu diesem Viertel. Die Menschen blicken finster, bedrohlich. "Usually no white people come here." Unser Guide ist besorgt.
Wir fragen, wie Menschen diese Gegensätze aushalten können. "Rich people don`t care", ist die Antwort.
In Apapa ragen riesige Ölcontainer in die Höhe, vor diesen stauen sich die Autos - es gibt immer noch kein Benzin.
Die Luft nimmt einem den Atem, die Bronchien schmerzen, ständiger Husten. Stundenlang stehen wir im Stau, Menschen (viele Mütter mit kleinen Babys auf dem Rücken) aus dem naheliegenden Slum ("you cannot imagine - I was there and have seen it", sagt unser Guide), verkaufen Wasser, Getränke, Radios, Festplatten, Kekse.
Am Abend schließen sich die Eisentore schützend hinter uns. Wir kämpfen gegen Ohnmachtsgefühle.

2010-01-28

28.1.2010

Heftige Regengüsse in der Nacht, die Morgenluft perlt. Im Frühstücksraum (es gibt Toast, Schinken, Marmelade, das Übliche - aber dennoch lecker) versammeln sich die Mücken, der Gedanke an Malaria drängt sich auf, mehr denn je.
Wir treffen den CEO eines deutschen Unternehmens, durchfahren hierfür strengste Kontrollen. Alle, wirklich alle sind von unglaublicher Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft.
Mittagessen in einem nigerianischen Fastfood-Restaurant. Keine Ahnung, was genau wir gegessen haben, ich beisse auf kleine Knochen und beschließe, nur noch Vegetable zu essen. Überall im Lokal ist Securitypersonal postiert, an den Wänden kleben Hinweise, ma habe Überwachungssysteme installiert hat. "Yes, Lagos is safe", sagt unser Guide und: "Security is very important, people spend a lot of money for this."
Wir fahren durch verschiedene Gegenden der Megacity, verbringen eine gute Stunde im Stau, weil wir uns irrtümlich in eine Tankstellenwarteschlange verstrickt hatten - das Ergattern von Benzin wird zur Tagesaufgabe, der Schwarzmarkt blüht, unmittelbar neben den geschlossenen Tankstellen füllt man den Treibstoff in die Autos - aus Flaschen und kleinen Plastikkanistern.
Großer Frust am Abend für die Nigerianer, weil sie verloren haben - für uns, weil Stromspitzen unser Laptop und ein Palm zerstört haben.
Trinken jetzt ein Bier und fallen in unsere Betten.

2010-01-27

Ankunft Lagos

Halb besetztes Flugzeug von Paris nach Lagos, die meisten Leute sind jung, wirken hip, mit großen Sonnenbrillen - ein Rapper mit blonder Freundin, vielleicht ein Star in Nigeria? Das halbe Flugzeug besteht aus Businessklasse, in der gewichtige Afrikaner mit ernster Miene sitzen. In der SZ vom heutigen Tag lese ich, wie sich Europa gegen die anstehende Flüchtlingswelle aus Afrika schützen will, dabei baut man auf eine enge Zusammenarbeit mit nordafrikanischen Staaten."Die Libyer und Marokkaner haben Flüchtlinge auch schon an ihrer Grenze abgekippt" (mitten in die Wüste, wo es kein Überleben gibt), sagt ein Innenexperte im Europaparlament.
Feuchte Hitze in Lagos, die Menschen am Flughafen sind freundlich und unaufdringlich. Kurzes Gespräch mit dem Zoll - man lacht gerne.
Unser Guide ist pünktlich, sehr nett und gesprächig. Er liebt sein Land, Lagos insbesondere, eine Stadt, die inzwischen "very safe" geworden ist, schließlich hat man hart durchgegriffen. Die Express-Straße nach Victoria Island ist aufgeräumt, zumindest auf der rechten Spur, auf der Gegenfahrbahn ein Stau, so weit das Auge reicht. Überall Tankstellen, die leer sind. Es gibt kein Benzin mehr, erhältlich ist es nur noch auf dem Schwarzmarkt, mit guten Beziehungen, wird mir erklärt - das in einem Land, das über große Erdölvorkommen verfügt.
Freundlicher Empfang in einem kleinen Hotel, ruhig in einer Nebenstraße gelegen - umzäunt von Stacheldraht, bewacht von Watchmen, unsere Zimmer sind geräumig. Ein Blick vom Balkon: Rohbauten und Zäune. Es wird gebaut, ein Hotel nach dem anderen entsteht. Lagos verändert sich rasant, sagte der Guide. Mehr Autos, mehr Menschen, vor allem aus Indien und China - und mehr Hotels.
Werden jetzt die afrikanische Küche ausprobieren.

2010-01-26

Abreise

Letzter Tag in der Kälte - minus 16 Grad, Sonne, Luft die klirrt.
Vorbereitungen sind abgeschlossen. Zur Einstimmung u.a. Michael Oberts Regenzauber gelesen (phantastischer Bericht seiner Fahrt den Niger entlang, von der Quelle bis zum apokalyptischen Nigerdelta).
Abflug nach Lagos in 18 Stunden via Paris. Hoffen darauf, dass der Transfer zum Hotel auf Victoria Islands reibungslos klappt - alleine auf weiter Flur, da Bruder Philipp erst Stunden später anreist.
www.allafricam.com gecheckt - instabile Situation im Land, außerdem über Superboyz (http://www.myspace.com/paperboyz4all) gestolpert und erste Pläne für Lagos geschmiedet: nach "lucky win for Super Eagles" Public Viewing des Halbfinals Nigeria:Ghana.
Wetter in Lagos: 33 Grad und sonnig